Am 18. Juli 1972 kam es im Kiental nach einem schweren Hagelunwetter am Ärmighorn zu einem Murgang. Dabei wurde die Tschingelalp meterhoch verschüttet. Hinter den Schuttmassen stauten sich die Bergbäche über Nacht zu einem See. Die Strasse zur Griesalp verschwand in den Fluten. Sie wurde später höher am Hang neu gebaut.
Mit dem Tschingelsee, wie er schon bald genannt wurde, gewann die Landschaft an Attraktivität. Das Deltagebiet des Gornerebachs bot Wasservögeln Zuflucht; eine aussergewöhnliche Flora siedelte sich an. Seit 1987 stehen der See und seine Umgebung unter Naturschutz.
Das kleine Paradies ist allerdings vergänglich. Weil sich der Gamchigletscher stark zurückzieht, führt der Gornerebach seit Jahren sehr viel Geschiebe mit sich, das er im Tschingelsee ablagert. Der See ist dadurch mittlerweile weitgehend verlandet. Zwischen breiten Kies- und Sandbänken mäandrieren mehrere Wasserarme. Das bietet zwar einen sehr reizvollen Anblick, die Tümpel und Wasserläufe haben aber mit einem See nicht mehr viel gemeinsam. In absehbarer Zeit dürfte der Tschingelsee komplett verschwunden sein.
Ein Beitrag von Barbara.